26.06.2025
Kabinettsentwurf für den Bundeshaushalt 2025 und Finanzplanung bis 2029
Nomineller Investitionszuwachs für Verkehrsinfrastrukturen – doch die strukturelle Finanzierungsbasis bleibt zu fragil
Berlin, 26. Juni 2025
Aus Sicht der Logistikbranche ist der nominelle Anstieg der
Verkehrsinfrastrukturinvestitionen in der Haushaltsplanung der Bundesregierung
eine längst überfällige Reaktion auf den langjährigen Investitionsstau. Der
DSLV Bundesverband Spedition und Logistik warnt aber vor einer fragmentierten
Finanzierungsarchitektur und fordert begleitende Strukturreformen.
Mit 33,5 Milliarden Euro soll das Investitionsvolumen für die Verkehrsinfrastruktur im Jahr 2025 über dem Niveau der Vorjahre liegen – bis 2029 sind Verkehrsinvestitionen von insgesamt 166 Milliarden Euro vorgesehen. „Das ist ein notwendiger Finanzierungsimpuls, um den massiven Sanierungsrückstand bei Straßen, Schienenwegen, Wasserstraßen und Häfen aufzuholen. Der Mittelzuwachs zeigt, dass die Bundesregierung den Handlungsbedarf erkannt hat,“ erklärt DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster, warnt aber gleichzeitig: „Dennoch bleibt die Finanzierungsarchitektur für Deutschlands Infrastruktur brüchig. Die nominelle Erhöhung der investiven Ausgaben speist sich überwiegend aus Sondertöpfen – der reguläre Verkehrsetat bleibt unterfinanziert.“ Die Investitionsausgaben im Einzelplan 12 sinken von rund 30 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 23,7 Milliarden Euro im Haushaltsentwurf für 2025. Die im Koalitionsvertrag zugesagten zusätzlichen Mittel fallen daher zu gering aus – besonders im Bereich der Bundesfernstraßen.
„Die Logistikbranche hatte große Erwartungen in
das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) gesetzt –
verbunden mit einer verlässlichen, überjährigen Finanzierung. Allerdings müsste
sich eine nachhaltige Investitionsstrategie auch im Kernhaushalt
widerspiegeln“, so Huster. Das Sondervermögen wirkt nur dann, wenn es additiv
gedacht wird und nicht als Begründung dafür dient, die Investitionen im
regulären Etat abzusenken. Offen bleibt auch, ob die Zusätzlichkeit der
Investitionen auf Landesebene gelten wird.
Nachteilig ist zudem die zu geringe
Investitionsquote. Sie liegt mit lediglich 10 Prozent niedriger als die Jahre zuvor.
Ein investiver Durchbruch im Verkehrsbereich gelingt nur dann, wenn der
Kernhaushalt mit dem SVIK und dem Klima- und Transformationsfonds (KTF)
verzahnt und aufwuchsfähig geplant wird – ohne gegenseitige Kannibalisierung.
Gegenwärtig stehen sie eher nebeneinander – eine gemeinsame Zielarchitektur ist
nicht erkennbar. Die vorgesehenen Zuweisungen aus dem SVIK in den KTF – 10
Milliarden Euro pro Jahr – verstärken bei gleichzeitigem Rückgang der
Verkehrsinvestitionen im KTF den Verschiebungseffekt.
Angesichts der hohen Schuldenquote und des massiven Anstiegs der Sozialausgaben fällt das Signal für den erwarteten Investitionshochlauf bei der Infrastruktur schwächer aus, als es sich die Logistikbranche gewünscht hätte. Die geplanten Mittel für deutsche See- und Binnenhäfen entsprechen nicht dem tatsächlichen Bedarf. Huster: „Die systematische Unterfinanzierung der logistischen Welthandelsdrehscheiben hat negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, die Standortsicherheit und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.“
Strukturelle Ungleichgewichte zugunsten einzelner
Verkehrsträger müssen vermieden werden. Huster: „Ein starker
Schienengüterverkehr ist für die Logistik wichtig – aber nicht auf Kosten
anderer Verkehrsträger. Die Wirtschaft braucht eine ausbalancierte und
intermodale Infrastrukturplanung.“
Die grundsätzlich positiven haushaltspolitischen
Impulse müssen mit strukturellen Reformen verbunden werden. „Ein reines Drehen
an der Finanzierungsschraube reicht nicht“, betont Huster. „Was noch fehlt,
sind tiefgreifende Strukturreformen und vor allem schnellere Planungs- und
Genehmigungsverfahren.“
Der DSLV appelliert an den Deutschen Bundestag,
die Investitionslinie für die Verkehrsinfrastruktur im parlamentarischen
Haushaltsverfahren zu schärfen. Nur mit einem ausreichend ausgestatteten
Verkehrsetat, flankiert von effektiven Planungsstrukturen und verbindlicher
Mittelbindung, kann der Logistiksektor seiner Schlüsselrolle für Wirtschaft,
Versorgung, Beschäftigung und Klimaschutz gerecht werden.
Als Spitzen- und Bundesverband
repräsentiert der DSLV durch 16 regionale Landesverbände die
verkehrsträgerübergreifenden Interessen der 3.000 führenden deutschen
Speditions- und Logistikbetriebe, die mit insgesamt 600.000 Beschäftigten und
einem jährlichen Branchenumsatz in Höhe von 131 Milliarden Euro wesentlicher
Teil der drittgrößten Branche Deutschlands sind (Stand: Juli 2024). Die
Mitgliederstruktur des DSLV reicht von global agierenden Logistikkonzernen,
4PL- und 3PL-Providern über größere, inhabergeführte Speditionshäuser (KMU) mit
eigenen LKW-Flotten sowie Befrachter von Binnenschiffen und Eisenbahnen bis hin
zu See-, Luftfracht-, Zoll- und Lagerspezialisten. Der DSLV ist politisches
Sprachrohr sowie zentraler Ansprechpartner für die Bundesregierung, für die
Institutionen von Bundestag und Bundesrat sowie für alle relevanten
Bundesministerien und -behörden im Gesetzgebungs- und Gesetzumsetzungsprozess,
soweit die Logistik und die Güterbeförderung betroffen sind.

Speditions- und Logistikverband
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Eschborner Landstraße 42-50
60489 Frankfurt am Main
Telefon 069 97 08 110
Telefax 069 776 356
Vorstand:
Daniel Hensel (Vorsitzender)
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Michael Peters
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