07.08.2025
DSLV kritisiert
Bundestariftreuegesetz
Bund greift in den
Wettbewerb ein und erschwert die öffentliche Auftragsvergabe
Berlin, 24. Juli 2025.
Mit dem jetzt vorgelegten
Entwurf eines Tariftreuegesetzes greift das Bundesarbeitsministerium in die
Vergabepraxis und in den Wettbewerb um öffentliche Aufträge ein und belastet
die Wirtschaft zusätzlich, anstatt sie zu entlasten. Mit dem Gesetz grenzt die
Bundesregierung den Mittelstand aus und konterkariert ihr eigentliches
wirtschaftspolitisches Ziel, Bürokratie abzubauen, kritisiert der DSLV
Bundesverband Spedition und Logistik.
Nach
Regierungsplänen sollen sich Unternehmen nur dann um öffentliche Aufträge ab
50.000 Euro bewerben können, wenn sie nachweisen, dass die Arbeitsbedingungen
einem branchenüblichen repräsentativen Tarifvertrag entsprechen. Dies betrifft
nicht nur Löhne, sondern auch Urlaub, Weihnachtsgeld, Arbeitszeiten,
Pausenregeln und Überstundenvergütungen – also Bereiche, die dem freien
Aushandlungsprozess zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorbehalten oder
individuell betriebsintern geregelt sind. In diese tarifähnlichen Bedingungen
sollen zusätzlich auch vom Auftragnehmer beauftragte Subunternehmen einbezogen
werden. Kritisch sieht der DSLV deshalb vor allem auch
die im Gesetzentwurf enthaltene Nachunternehmerhaftung. Damit werden
öffentliche Aufträge für Dienstleister zum finanziellen Risiko.
Speditionen
sind nicht nur als direkte Auftragnehmer der öffentlichen Hand, sondern
mittelbar auch als Logistikdienstleister vom Bund beauftragter Unternehmen
betroffen. Die Tarifbindung wird damit faktisch zur Voraussetzung für die
Teilnahme an niedrigschwelligen öffentlichen Ausschreibungen und zur
Wettbewerbskomponente.
„Der
Staat darf die Tarifbindung nicht zum Eintrittsticket für öffentliche Aufträge
machen“, warnt DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster. „Der Gesetzentwurf
verkennt, das Logistik überwiegend arbeitsteilig und häufig nur unter Einsatz
spezialisierter Subunternehmen funktioniert. Mit der vom Gesetz beabsichtigten
Tarifbindungsgarantie in der gesamten Lieferkette wird vor allem der
Mittelstand überfordert und potenziell ausgegrenzt. Gleichzeit wird der
Anbietermarkt verengt und die öffentliche Auftragsvergabe erschwert. Damit tut
sich der Bund keinen Gefallen.“
Mit
dem Aufbau einer staatlichen Stelle für die Überprüfung der Nachweispflichten
schafft die Bundesregierung einen neuen Kontrollapparat – teuer für den Staat
und aufwendig für die Unternehmen. Die Logistikbranche ist von zahlreichen KMU
geprägt. Für sie wäre der zusätzliche bürokratische Aufwand durch die Nachweis-
und Kontrollpflichten zu hoch.
„Die
negative Koalitionsfreiheit ist verfassungsmäßig garantiert – sich keiner
Tarifvereinbarung anzuschließen ist deshalb gutes Recht. Vor allem in
mittelständischen Betrieben der Logistikbranche werden einvernehmlich
Haustarifverträge oder individuelle Vergütungsmodelle vereinbart – oft
übertariflich. Zukünftig würde Ihnen dennoch die Teilnahme an öffentlichen
Vergabeverfahren mit neuen Bürokratiehürden zusätzlich erschwert“, bemängelt
Huster.
Die
Bundesregierung selbst räumt ein, keine verlässlichen Daten darüber zu haben,
wie viele öffentliche Aufträge bislang an tarif- oder nicht-tarifgebundene
Unternehmen vergeben wurden. Dennoch unterstellt sie einen systematischen
Wettbewerbsvorteil nicht-tarifgebundener Unternehmen – und reagiert mit einem
Gesetz, das vor allem eines bringt: zusätzliche Bürokratie. „Statt die reale
Vergabepraxis zunächst fundiert zu analysieren, werden Unternehmen vorsorglich
mit neuer Bürokratie überzogen“, kritisiert Huster.
Auch
das Verfahren wirft Fragen auf. Nur drei Werktage hat das
Bundesarbeitsministerium den Verbänden zur Stellungnahme eingeräumt – und das
mitten in der Sommerpause. Eine solch kurze Rückmeldefrist für ein Gesetz, das
tief in die Auftragsvergabe und Unternehmenspraxis eingreift, zeigt, wie wenig
die praktischen Auswirkungen auf betroffene Branchen ernst genommen werden.
Als Spitzen- und Bundesverband repräsentiert der
DSLV durch 16 regionale Landesverbände die verkehrsträgerübergreifenden
Interessen der 3.000 führenden deutschen Speditions- und Logistikbetriebe, die
mit insgesamt 600.000 Beschäftigten und einem jährlichen Branchenumsatz in Höhe
von 131 Milliarden Euro wesentlicher Teil der drittgrößten Branche Deutschlands
sind (Stand: Juli 2024). Die Mitgliederstruktur des DSLV reicht von global
agierenden Logistikkonzernen, 4PL- und 3PL-Providern über größere, inhabergeführte
Speditionshäuser (KMU) mit eigenen LKW-Flotten sowie Befrachter von
Binnenschiffen und Eisenbahnen bis hin zu See-, Luftfracht-, Zoll- und
Lagerspezialisten. Der DSLV ist politisches Sprachrohr sowie zentraler
Ansprechpartner für die Bundesregierung, für die Institutionen von Bundestag
und Bundesrat sowie für alle relevanten Bundesministerien und -behörden im
Gesetzgebungs- und Gesetzumsetzungsprozess, soweit die Logistik und die
Güterbeförderung betroffen sind.

Speditions- und Logistikverband
Hessen/Rheinland-Pfalz e. V.
Eschborner Landstraße 42-50
60489 Frankfurt am Main
Telefon 069 97 08 110
Telefax 069 776 356
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Michael Peters
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