06.03.2026
Die militärische Eskalation im Nahen Osten belastet die deutsche Speditions- und Logistikbranche erheblich. Durch die Blockade der Seeschifffahrt in der Hormus-Meerenge und die großflächige Sperrung des Luftraums über den Golfstaaten sind mehrere Verkehrskorridore lahmgelegt. Dies hat innerhalb weniger Tage zu einem teils dramatischen Anstieg der See- und Luftfrachtraten geführt. Sprunghaft gestiegene Dieselkosten belasten auch den Landverkehr. Der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik fordert nachhaltige Entlastungsmaßnahmen zur Abmilderung der hohen Energiekosten.
Reedereien stellen den Speditionshäusern
für Container, die sich auf der Seeschiffspassage im Persischen Golf bewegen,
jetzt Notfall-Konfliktzuschläge von derzeit bis zu 4.000 US-Dollar in Rechnung
– ein Mehrfaches der üblichen Frachtrate. Viele Schiffe umfahren
vorsichtshalber das Kap der Guten Hoffnung und meiden den Suezkanal. Mit einem
sprunghaften Anstieg der Frachtraten ist auch auf Routen zu rechnen, die die
Golfregion nicht berühren.
Die Situation im Luftverkehr ist ähnlich: Mit Dubai, Abu Dhabi und Doha sind
drei der wichtigsten Luftfrachtdrehkreuze in der Region in ihrem Betrieb massiv
eingeschränkt. Die globalen Luftfrachtkapazitäten schwanken erheblich, da die
Airlines zahlreiche Verbindungen gestrichen haben und teilweise keine Buchungen
mehr annehmen. Infolgedessen steigen auch hier Frachtraten und Risikozuschläge.
Neben dem explosionsartigen Frachtratenanstieg wächst der Dispositionsaufwand
in den Speditionen exponentiell. See- und Luftfracht muss umgebucht, umgeroutet
und teilweise storniert werden. Wechselkursrisiken engen den Planungsspielraum
der Speditionen zusätzlich ein. „Kosten, die den Logistikkunden jetzt
zusätzlich in Rechnung gestellt werden müssen“, sagt DSLV-Hauptgeschäftsführer
Frank Huster. „Zeitversetzt werden die Konsumenten die Lieferkettenstörungen
auch in den Regalen spüren.“
Die Störungen des Seeschiffsverkehrs haben über den Weltmarktpreis für Rohöl
die deutschen Tankstellen ohne Verzögerung er-reicht. Kurzfristig können viele
Logistikunternehmen den drastischen Preisanstieg beim Diesel durch größere
Vorräte und Termingeschäfte abfedern. Deutlich robuster als in zurückliegenden
Krisen sind Speditionen mit vertraglichen Dieselpreisgleitklauseln (sogenannte
Floater) aufgestellt, die meist Vertragsbestandteil im Straßentransportgeschäft
sind.
„Zusätzlich zur eigenverantwortlichen Absicherung der Marktteilnehmer muss die
Politik handeln. Energiesteuern und CO₂-Abgaben sind in Deutschland
grundsätzlich zu hoch. In Krisenzeiten trifft das besonders hart“, mahnt
Huster. „Die Erfahrungen zeigen, dass ein staatlicher Tankrabatt den Markt
nicht wirklich erreicht, sondern durch Mitnahmeeffekte auf der Angebotsseite
versandet. Statt mit zeitlich begrenzten Preisbremsen Symptome einer plötzlich
aufgeflammten Krise zu bekämpfen, müssen Energiepreise nachhaltig gesenkt und
das Dickicht aus mehrfachen Steuern und Abgaben strukturell gerodet werden.
Konkret bedeutet dies: Der CO2-Preis darf vom Staat nur einmal berechnet und
nicht mehrfach angelastet werden. Und zusätzlich muss die Energiesteuer auf das
europäische Mindestniveau gesenkt werden.“
Als
Spitzen- und Bundesverband repräsentiert der DSLV durch 15 regionale
Landesverbände die verkehrsträgerübergreifenden Interessen der 2.500 führenden
deutschen Speditions- und Logistikbetriebe, die mit insgesamt 600.000
Beschäftigten wesentlicher Teil der drittgrößten Branche Deutschlands sind
(Stand: Oktober 2025). Die Mitgliederstruktur des DSLV reicht von global
agierenden Logistikkonzernen, 4PL- und 3PL-Providern über größere,
inhabergeführte Speditionshäuser (KMU) mit eigenen LKW-Flotten sowie Befrachter
von Binnenschiffen und Eisenbahnen bis hin zu See-, Luftfracht-, Zoll- und
Lagerspezialisten. Der DSLV ist politisches Sprachrohr sowie zentraler
Ansprechpartner für die Bundesregierung, für die Institutionen von Bundestag
und Bundesrat sowie für alle relevanten Bundesministerien und -behörden im
Gesetzgebungs- und Gesetzumsetzungsprozess, soweit die Logistik und die
Güterbeförderung betroffen sind.

Speditions- und Logistikverband
Hessen/Rheinland-Pfalz e. V.
Eschborner Landstraße 42-50
60489 Frankfurt am Main
Telefon 069 97 08 110
Telefax 069 776 356
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